Der im Windschatten des Industriezeitalters entstandene Spreebogenkomplex wurde 1893 in Anwesenheit von Kaiserin Auguste Viktoria feierlich eingeweiht. Noch heute spiegeln die Ballsäle den Unternehmergeist und die Pracht jener Zeit wider: Deckenhöhen von bis zu acht Metern, Sichtziegelwände, hohe Stahlträgerfenster und gusseiserne Säulen machen sie zu einem Vorzeigeobjekt der Berliner Industriearchitektur. Der Namensgeber Carl Bolle war ein Pionier des wirtschaftlichen Aufschwungs Berlins. Mit der Gründung des modernsten Großmolkereibetriebes der Stadt - der BOLLE Meierei - errichtete er auf dem heutigen Spreebogengelände Produktionsstätten und Werkstätten, Unterkünfte für einen Großteil seiner rund 2.000 Mitarbeiter, soziale Einrichtungen, Ställe, Kutschenhöfe und Altersweiden. Als "Bimmelbolle", bekannt durch die Handglocken seiner Pferdewagen, lieferten Bolles Gespanne frische Milch - und den neuesten Klatsch - direkt in die Berliner Haushalte und schufen so ein frühes, lebendiges städtisches Logistiknetz, das den Alltag prägte.

Bolle

Im Laufe der Jahrzehnte erlebten die Festsäle eine einzigartige Nutzungsabfolge: ursprünglich Festsaal und Werkskapelle, später Margarineproduktionsstätte, dann das "Welt Kino", eines der ersten Kinos Berlins, und schließlich die Bühne der Berliner Kammerspiele. Bei einer umfassenden Restaurierung wurde der industrielle Charakter nicht nur erhalten, sondern behutsam in die Gegenwart übersetzt.

Mitarbeiter im ABION Spreebogen Waterside Hotel Berlin

Heute steht der Spreebogen für Vielfalt, Potenzial und eine zentrale Lage - Werte, die Moabit selbst ausmachen. Als einer der eindrucksvollsten Veranstaltungsorte Berlins vereint der Bezirk Hotel, Gastronomie, Büroflächen, Wohnen, Einzelhandel und kulturelle Angebote zu einem lebendigen, gemischt genutzten Quartier. Historische Elemente sind nicht nur in den denkmalgeschützten Ballsälen spürbar, sondern finden sich im gesamten Areal wieder - insbesondere im ABION Hotel: Historische Fotografien, originale Milchflaschen und Artefakte aus der BOLLE-Ära, die charakteristischen Backsteinbauten und ein bewusst industriell gestaltetes Interieur erinnern an das Erbe des Ortes und schlagen eine stilvolle Brücke zu seiner zeitgenössischen Identität. So ist der Spreebogen sowohl ein zentraler Ort in Berlin-Mitte/Moabit als auch ein sichtbares Zeugnis des ersten großen wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt - ein Ort, an dem gelebte Werte, Weitsicht und solide Handwerkskunst auf innovative Ideen für eine moderne Nutzung treffen.